Ergebnisse der Klient*innenbefragung 2025
Vom 01.10.2025 bis zum 31.10.2025 fand in der fwg die Klient*innenbefragung statt. Marcus Galm hat sich die Ergebnisse im Detail angeschaut, für euch zusammengefasst und gibt außerdem einen Ausblick auf die nächsten Schritte:
Die Auswertung der Klient*innenbefragung zeichnet insgesamt ein sehr positives Bild der fwg, zeigt aber auch deutliche Hinweise darauf, wo Transparenz, Mitsprache und einzelne Standorte beziehungsweise Angebote verbessert werden sollten.
Teilnehmende
Mit insgesamt 79 Teilnehmenden ist die Teilnahmequote leider eher gering und lässt nur einen eingeschränkten Eindruck der Zufriedenheit aller Klientinnen und Klienten zu. Die Ergebnisse sind also unter Umständen nicht sehr repräsentativ, insbesondere für Angebote die von den Teilnehmenden nur selten in Anspruch genommen wurden.
Das Klientel ist überwiegend im mittleren und höheren Erwachsenenalter: Besonders stark vertreten ist die Altersgruppen von 40 bis 60 Jahren, während jüngere Klient*innen bis 30 Jahre und Personen über 60 deutlich seltener vertreten sind. Gleichzeitig nutzt mehr als ein Drittel die Angebote der fwg bereits seit über 10 Jahren, was auf eine langfristige Bindung und große Vertrautheit mit der Organisation schließen lässt.
Nutzung der Angebote
Unter den genutzten Angeboten sticht die Werkstatt Cassellapark mit Abstand hervor; sie wird bzw. wurde von deutlich mehr als der Hälfte der Teilnehmenden bereits schon einmal genutzt. Daneben spielen Werkstatt Musikantenweg, Berufsbildungsbereich, Begleitung im eigenen Wohnumfeld und Freizeitangebote eine wichtige Rolle, während das Teilhabezentrum I38, das Gemeinschaftliche Wohnen und die Beratungsstellen nur von wenigen genutzt wurden.
Die freien Textkommentare machen deutlich, dass Veränderungen im Angebotsportfolio sehr sensibel erlebt werden: Die unerwartete Schließung des Zuverdienstprojekts im „Stella Secondhand“ wird als massiver Verlust von Struktur und Halt beschrieben. Auch der Wegfall von Gruppenausflügen und Veränderungen bei Freizeit- und Urlaubsregelungen werden als deutliche Verschlechterungen benannt. Es werden aber auch zahlreiche positive Rückmeldungen für die gute Betreuung und Unterstützung formuliert.
Information, Kommunikation und Kultur
Die Teilnehmenden bewerten die Möglichkeiten, Angebote zu finden und Kontakt aufzunehmen insgesamt gut; die Durchschnittsbewertung liegt bei etwa 4 auf einer 5er-Skala. Auch Website und Flyer erhalten eine gute, aber etwas niedrigere Bewertung, was darauf hinweist, dass Informationsmaterialien überwiegend funktionieren, jedoch noch Potenzial für klarere oder attraktivere Kommunikation bieten.
Die Kommunikation innerhalb der fwg und die wahrgenommene „Kultur der fwg“ werden nahezu identisch eingeschätzt: Beide Bereiche erreichen Durchschnittswerte knapp unter 4, mit Schwerpunkt auf den Werten 4 und 5 und nur wenigen sehr kritischen Bewertungen. Gleichzeitig schildern einige Kommentare sehr konkrete negative Erfahrungen – etwa, dass Klienten herablassend behandelt wurden oder nicht ernst genommen wurden, unzureichende Information über Terminänderungen oder fehlende Entschuldigungen bei Konflikten – was zeigt, dass die Wahrnehmung in einzelnen Fällen deutlich vom sehr positiven Gesamtbild abweichen kann.
Mitsprache und Beteiligung
Am deutlichsten fällt die Mitsprache im Vergleich zu anderen Bereichen ab: Der Mittelwert liegt mit rund 3,3 spürbar unter den Bewertungen für Zufriedenheit, Kultur oder Gesamteindruck. Es überwiegen zwar die mittleren bis guten Bewertungen, doch der Anteil niedriger Werte (1 und 2) ist hier im Vergleich am höchsten, was auf ein strukturelles Thema hindeutet.
Mehrere offene Kommentare greifen dieses Empfinden auf: Es wird gefordert, Mitsprache „unbedingt zu verbessern“ und Klient*innen stärker in die Gestaltung von Arbeit, Angeboten und Entwicklungsberichten einzubeziehen. Besonders eindrücklich ist ein Bericht darüber, dass Entscheidungen über Köpfe hinweg getroffen, Kritik nicht ernst genommen oder Entwicklungsberichte ohne Rücksprache formuliert wurden – bis hin zum völligen Vertrauensverlust und der Aussage, die fwg nicht weiterempfehlen zu wollen.
Zufriedenheit, Gesamteindruck und Weiterempfehlung
Trotz dieser Kritikpunkte ist die Zufriedenheit mit den genutzten Angeboten hoch: Nahezu drei Viertel der Antworten entfallen auf die Werte 4 und 5, und der Durchschnitt liegt bei knapp 4. Auch das Erscheinungsbild der Gebäude und Ausstattung wird überwiegend positiv wahrgenommen, wenn auch etwas verhaltener, was auf einzelne Schwachstellen bei Räumen und Infrastruktur schließen lässt.
Der Gesamteindruck der fwg ist klar positiv: Der Mittelwert liegt etwas über 4, und es gibt keine Bewertungen mit der schlechtesten Note 1. Besonders eindrucksvoll ist die Bereitschaft zur Weiterempfehlung: Fast die Hälfte der Teilnehmenden wählt die beste Note 5, und nur sehr wenige geben schlechte Werte, sodass der Durchschnitt mit 4,22 den höchsten Wert der Skalenfragen bildet.
Sprache, Ansprache und Identifikation
Bei der gewünschten Bezeichnung in Dokumenten ist „Klient*in“ mit Abstand die beliebteste Variante, während „Nutzer*in“ und „Betroffene Person“ deutlich weniger Zustimmung finden. Zugleich gibt ein nicht zu unterschätzender Teil an, keine Präferenz zu haben, und einige nutzen das Freitextfeld, um ganz individuelle Formen – etwa die reine Nennung des Namens – zu wünschen oder Genderformen abzulehnen.
In der persönlichen Ansprache im Kontakt bevorzugt eine knappe Mehrheit die Sie-Form, während eine große Minderheit das Du wünscht. Für die Praxis bedeutet das, dass eine differenzierte, individuelle Ansprache sinnvoll ist und pauschale Regelungen – etwa durchgängig zu duzen oder strikt zu siezen – an den Bedürfnissen eines Teils der Klient*innen vorbeigehen würden.
Zentrale Spannungsfelder aus den Kommentaren
Die offenen Antworten zeigen ein deutliches Spannungsfeld zwischen hoher Grundzufriedenheit und einzelnen, aber sehr klar formulierten Kritikpunkten. Neben Lob für engagierte Gruppenleitungen, hilfreiche Betreuung und das Gefühl, eine Perspektive zu haben, stehen Berichte über fehlende Vertretung, geringe Präsenz von Fachkräften, mangelnde Abstimmung zwischen Stellen und eine als unzureichend erlebte Versorgung mit Informationen oder Mitbestimmung
Insgesamt lässt sich die Befragung so lesen, dass die fwg von vielen Klient*innen als verlässlicher, wichtiger Teil ihres Lebens erlebt wird, der ihnen Struktur, Zugehörigkeit und Unterstützung bietet – gleichzeitig aber an Mitsprache, Kommunikation und der konsequenten Umsetzung der eigenen Ansprüche an Beteiligung und Wertschätzung noch sichtbar arbeiten muss.
Ergebnisvorstellung und Ableitung von Maßnahmen
Die Ergebnisse wurden bereits im QE-Kreis diskutiert und werden Ende Februar den Leitungskräften und dem Werkstattrat und Einrichtungsbeirat vorgestellt. Geplant ist, konkrete Maßnahmen abzuleiten, zum Beispiel zur Weiterentwicklung von Angeboten, zur Verbesserung von Strukturen oder zur Stärkung von Information und Mitsprache. Perspektivisch soll die Befragung regelmäßig wiederholt werden, um Entwicklungen sichtbar zu machen und nachzuhalten, ob vereinbarte Veränderungen tatsächlich bei den Klientinnen und Klienten ankommen.
Mit dieser Befragung setzt die fwg ein deutliches Zeichen: Rückmeldungen der Klient*innen sind nicht nur willkommen, sondern eine zentrale Grundlage für die weitere Ausrichtung der Organisation. Nur wenn Erfahrungen und Kritik ernst genommen und systematisch einbezogen werden, kann die fwg ihrem eigenen Anspruch gerecht werden, Angebote nah an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten, die sie täglich nutzen.