Herr Scholli und kununu
Eigentlich wollte ich ja nur im Personalbüro in der KSS mein Führungszeugnis zeigen. Schnell rein, vier Augen drauf werfen lassen und dann in den wohlverdienten Feierabend abdüsen. Aber was ist? Renne ich direkt der Öffentlichkeitstante in die Arme, ausweichen war nicht mehr möglich. Die drückt mir einen Zettel in die Hand und sagt: „Sam, mach mal. Nur die Anleitung testen. Musst nicht abschicken am Ende.“
„Nur testen, Annika?“, frohlocke ich. Naja, wer so doof fragt…
„Ein kleiner Artikel für den Newsletter wäre toll. Macht die KI ja praktisch alleine!“, antwortet sie und hat es plötzlich richtig eilig mit dem Davonkommen.
Und nun hocke ich hier und frage mich, worum es eigentlich geht. Meine Meinung soll ich abgeben, habe ich doch neulich erst bei dieser Befragung mit den vier Buchstaben, wie hieß sie noch? GPTW, hieß die, jetzt fällt es mir wieder ein. Und wieso wollen die denn schon wieder meine Meinung haben jetzt, das andere ist doch grad zwei Jahre her!?
Ah, steht da ja in der Anleitung: Weil ich die fwg wirklich kenne, heißt es hier. Und meine Erfahrungen wertvoll sind. Für die Menschen, die einen Job bei uns suchen. Aha. Reicht denen Bewerbern denn nicht mehr, einfach das ganze Marketing-Kauderwelsch auf unserer Webseite zu lesen?
Aber wenn ich es mir recht überlege, ich hätte es doch eigentlich ganz gut gefunden, irgendwo mehr über die fwg zu erfahren, als ich mich damals beworben habe. Weil, dass es so gut passt zwischen uns, der fwg und mir, ist ja eher Zufall als von vorneherein gewusst. Wobei Zufall vielleicht das falsche Wort ist, aber egal jetzt, ich will nicht philosophisch werden, sondern habe einen Job zu tun, sapperlot jetzt!
Also gut, meine Meinung können sie haben, testweise. Aber abschicken tue ich das nicht, wenn ich Kritik übe, dann heißt es nachher wieder „Der Scholli, der meckert nur rum…!“. Oder doch nicht? Denn hier steht was von anonym. Also wissen die doch nicht, dass ich es bin, der gemeckert hat? Das kann also auch die Kollegin vom anderen Standort gewesen sein? Na, dann ist das ja vielleicht doch ganz charmant.
Das Aufrufen der frankfurter werkgemeinschaft ist dann ganz einfach, steht ja in der Anleitung. Und die Infos, die die haben wollen, sind auch alle ok. Ob ich die fwg weiterempfehlen würde und wie die Kommunikation so sei. Oh, dazu kann ich wirklich… Aber ich will euch Leserinnen und Leser nicht beeinflussen, also halte ich hier mal meine Gosch‘.
Die wollen noch wissen, in welcher Abteilung ich arbeite und mein Geschlecht, aber das muss ich nicht unbedingt angeben, alles. Und am Ende darf ich noch Verbesserungsvorschläge, Lob und Kritik loswerden. Na, das können sie haben… Muss nur aufpassen, nicht so zu schreiben wir hier im Newsletter, sonst ist es vorbei mit der Anonymität.
Und dann steht da „Bewertung absenden“. Alter Schwede, eigentlich wollte ich das ja nicht, aber jetzt habe ich doch so viel geschrieben, das kann ich doch jetzt nicht einfach wegklicken. Also gut, dann bekommen sie halt mal meine unverblümte Scholli-Meinung, Herrgott noch emol abber aach.
Gebe meine E-Mail-Adresse ein, schaue in meine Postbox, da ist auch schon der Code, klappt ja wunderbar, und mit dem Eingeben des Codes bin ich auch schon durch. Ich will nicht rumpiensen, ging doch insgesamt. Jetzt werden die beim Personal überrannt von Bewerbungen, ich bin mir sicher.
Ich will eben den Browser schließen, da sehe ich, dass kununu meint, ich sei noch gar nicht durch. Jetzt wolle die noch mein Gehalt wissen?! Jetzt wird’s mir aber langsam zu bunt. Davon sagt die tolle Anleitung aber… oh, doch. Gehaltsabfrage und Firmenkultur kommt danach wohl noch. Aber man muss nicht mitmachen. Na dann. Dann lass ich das mal, ich sollte ja nur die Anleitung testen, und das habe ich gemacht. Jetzt aber in den Feierabend, wird auch Zeit.
Was ist eigentlich kununu?
Warum ist kununu relevant für die fwg?
“Auf Kununu informieren sich Talente am DACH-Arbeitsmarkt über potenzielle Arbeitgeber oder bewerten ihren eigenen. Auch Unternehmen können auf Kununu aktiv sein, indem sie ihre Unternehmenswerte nach außen tragen und auf Feedback reagieren. So haben Talente direkt eine Anlaufstelle, um Bewertungen mit der persönlichen Darstellung eines Unternehmens abzugleichen. Je positiver und authentischer sich eine Arbeitgebermarke zeigt, desto attraktiver wirkt sie.
Wie attraktiv zeigt Kununu in Zahlen:
- 83 Prozent der Nutzer:innen lesen, wie andere Arbeitgeber bewerten.
- 3 von 4 Jobsuchenden sind auf Kununu aktiv.”
Quelle: https://www.agentur-jungesherz.de/hr-glossar/kununu-employer-branding/